Presse

Oberschüler entdecken Afrika

Zehdenick (MZV) Wilde Tiere, Dschungel, Armut, hungrige Kinder: Für die Schüler der 7. Klassen der Exin-Oberschule Zehdenick war in der vergangenen Woche schnell klar, dass zum Thema "Afrika" noch viele andere Aspekte gehören. Im Geografie-Unterricht hatten sie sich gut vorbereitet. Nun waren drei Afrikaner zu Gast, um ein Stück Kultur und Alltag ihrer Heimatländer zu vermitteln. Die Bildungsreferenten waren im Auftrag der Engagement Global GmbH an die Exin-Oberschule gekommen. Sie berichteten von ihrer Kindheit, ihrem Schulalltag, von den Besonderheiten des Kontinentes, der einzelnen Länder und Regionen und machten die Jugendlichen neugierig auf das Leben außerhalb des eigenen Lebenskreises.


Informationen aus erster Hand
Über seine Hilfsprojekte im Dorf Bugamba in Tansania berichtete Jörg Kerner (rechts) in der Exin-Oberschule Zehdenick. Auch die Schüler wollen helfen.
Von seiner letzte Reise nach Tansania erzählte auch Jörg Kerner den Schülern. Kerner ist Vorstandsmitglied des Vereins der Medizinischen Missionshilfe. Im Dorf Bugamba hatte er dem Schulleiter der dortigen Secondary School einen Brief der Exin-Oberschüler aus Zehdenick übergeben. Vielleicht entwickelt sich eine Schulfreundschaft daraus?
Die Hälfte des Lohnes, den die deutschen Schüler bei der Aktion "Tagwerk" am 23. Juni dieses Jahres erarbeiten werden, sollen auf jeden Fall der Schule in Bugamba gespendet werden. Sie brauchen dort dringend neue Autobatterien für die Betreibung der Solaranlage.

Ganz afrikanisch endete dieser Projekttag: Es gab für jeden Teilnehmer Kuchen mit Maismehl und Bananen gebacken und frisch von Sozialarbeiterin Carola Busch serviert. Zum Ende des Schuljahres 2014/15 ist ein weiterer Projekttag zum Thema Afrika für alle Schüler der Schule in Vorbereitung. Der 60. Geburtstag von Diakon Jörg Kerner ist der Anlass für ein Benefizkonzert mit Martin Pepper am Sonnabend, 4. Juli, im Klosterhof Zehdenick. Statt Geschenken zum Geburtstag wünscht er sich eine namhafte Spende für das Afrika-Projekt. Martin Pepper, der ehemalige Pastor, ist seit 30 Jahren als Musiker in ganz Deutschland unterwegs und begeistert viele Gemeinden mit seinen Lobpreis-Klassikern.


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Afrika-Projekt Bugamba


Am 10. 6.2015 erfuhren die Kinder der 3a und 3b der Havelland-Grundschule Zehdenick viele interessante Einzelheiten aus dem Leben in Tanzania. Herr Kerner brachte uns Alltagsgegenstände und Musikinstrumente mit. Sehr beeindruckt waren wir von Sandalen aus Autoreifen oder Fußbällen aus Plastikabfällen. Auch viele Bilder gaben uns einen Einblick in das schwere Leben der Einwohner Tanzanias. Sehr viel Spaß hatten wir beim Singen eines Volksliedes. Herr Kerner berichtete über den Kampf gegen Malaria in einem Krankenhaus. Er erzählte, dass Ärzte oft nicht genügend Medikamente haben, um allen Erkrankten zu helfen. Wir Schüler hatten dann die Idee für Malariamedikamente zu spenden. Viele Eltern der Klassen 3a und 3b spendeten Kuchen oder unterstützten uns beim Kuchenverkauf. Der Kuchenbasar war sehr erfolgreich. Insgesamt nahmen wir 110 € ein. Alle Schüler freuen sich, dass wir so viel Geld auf das Konto des Vereins " Medizinische Missionshilfe" überweisen können. Am 3.7.2015 übergaben die Schüler/innen den symbolischen Scheck der Klassen 3a und 3b an Hr.Kerner.


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Hermann Schulz
Für Kinder muss man besser schreiben!

Ein Seminar zu Kinder- und Jugendliteratur in Managua Eigentlich wollte ich nach zahllosen Reisen zwischen 1969 und 2005 Nicaragua meiden. Ich hatte den fragwürdigen Ruf, Geld für alle möglichen Projekte beschaffen zu können. Eine Einladung des Goethe-Instituts, einen Workshop zum Thema Kinder- und Jugendliteratur im Rahmen eines Literaturkongresses (Centroarnerica Cuenta) durchzuführen, wie schon im Oktober 2014 in Tansania, machte den Vorsatz zunichte. Die Möglichkeit, viele Freunde aus alten ,Kampfzeiten' wiederzusehen, war einfach zu groß. Außerdem lag mir das Thema am Herzen, und ich würde Lutz Kliche mit seinen perfekten Kenntnissen der Sprache und des Buchmarktes in Mittelamerika zur Seite haben. Er übersetzte vorab meine Vorträge zu zwölf Themen.

Ich konnte zwar auf meine Vorarbeiten zu Tansania zurückgreifen, es war aber nicht damit getan, Afrikaner gegen Zentralamerikaner auszutauschen. Zunächst rechneten wir mit rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, es wurden dann 30: Autoren, Illustratoren, Bibliothekarinnen und Verlagsmitarbeiter. Am Vorabend übergab mir die Direktorin der Stiftung „Libros para Nifios" (Bücher für Kinder), Gloria Cari6n, drei Dutzend neuere Produkte aus verschiedenen Ländern mit der Bitte, sie zu beurteilen. Das fand ich schwierig, ich war nicht als ,Fachmann' angereist, sondern verstand meine Rolle als jemand, der als Autor und früherer Verleger Erfahrungen vermittelt und das Gespräch moderiert. Trotzdem war dieser Einblick in den aktuellen Markt nützlich. Hier las und sah ich, was den Kindern in diesen Ländern vermittelt wird. Mama liebt dich, Papa liebt dich, ich liebe Mama, eine gute Fee sagt, du sollst nicht stehlen oder lügen. usw.

Immerhin tauchten hin und wieder soziale Fragen auf: Arbeitslosigkeit, Schulprobleme. Und viele Albernheiten an Stelle von Humor (genau wie auf dem deutschen Buchmarkt!). Noch nützlicher war die Vorstellungsrunde; jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer beschrieb seinen Arbeitsbereich und formulierte, was ihn besonders interessieren würde. Kurz entschlossen ließen wir die Hälfte der Vorträge ausfallen und konzentrierten uns auf das, was für Wesentlich angesehen wurde in Ländern, in denen das Buch in Schulen, in Familien oder in den Medien keine öffentliche Wertschätzung hat:

Wie kann auf diesem Hintergrund Leseförderung stattfinden? Wo sind unsere Partner in der Gesellschaft? Welche Erfahrungen werden in anderen Ländern gemacht?
Welches Bild von ,Kindheit' spiegeln die vorhandenen Bücher?
Welche Wirkung kann eine Geschichte haben, die, wie ein Autor sagte, ,wie ein wärmendes Feuer' auf die kindliche Seele und sein Weltverständnis wirken?
Wie ist zu vermitteln, welchen Nutzen das Lesen hat?

Hier konnten Lutz Kliche und ich Erfahrungen der letzten fünfzig Jahre auf dem europäischen Buchmarkt weitergeben. Dazu benutzen wir eine Liste von Themen, die im Kinderbuch hierzulande eine wichtige Rolle spielen und für unsere Partner aus Zentralamerika weitgehend Neuland waren: Gewalt in Familien, Indoktrination durch religiöse Erziehung, Krieg, sexuelle Übergriffe, erwachende Sexualität,
Freundschaft und Konflikte. Konkurrenz in der Schule, Sieger und Verlierer, Einsamkeit, die Rolle von Langeweile u.v.m.
Zwangsläufig ergaben sich daraus entscheidende Fragen:

Was ist Kindern (in welchem Alter) zumutbar? Welche Verantwortung tragen Autoren und Illustratoren mit ihrer Arbeit? Welche Rolle spielen fiir Kinder Bücher mit Humor und Abenteuer, mit Phantasie und Wunderwelten?

Wenn wir, sogenannte Experten aus Europa, Neues zu vermitteln hatten, war es dieses: Die Lebenswirklichkeit der Kinder hat sich durch neue Medien, durch Filme und Fernsehen, drastisch verändert. Es ist unsere Verantwortung, auch und besonders als Autoren und Verleger, mit Büchern darauf zu reagieren! Weil Kinder mit dem, was ihnen in der Wirklichkeit und auf dem Bildschirm täglich begegnet, weitgehend allein gelassen werden. Wie kann man ihnen helfen, die Welt begreifen zu lernen? In den meistverkauften Veröffentlichungen in Zentralamerika wird noch ein Bild von Kindheit verbreitet, das die alten, aber verlogenen Vorstellungen von ,heiler Welt' bestätigt.
Was soll ein Kind, das von seinen Eltern nicht geliebt wird, damit anfangen? Wie soll es seine Einsamkeit bewältigen, wenn seine reale Welt in den Büchern, die man ihm gibt, nicht vorkommt?

Beispiele, wie Autoren (z.8. Peter Härtling, Paul Maar oder auch Mark Twain) sich dem Leben der Kinder zuwenden, sich an eigenes Kindheitsleid erinnern, sind ja zu finden! Wenn auch in der lateinamerikanisch-katholischen Literatur selten (von Horacio Quiroga einmal abgesehen). Uns lag daran, deutlich zu machen, wie wichtig es ist, gute Autoren (und davon gibt es in Zentralamerika viele!) für das Kinderbuch zu gewinnen - und dass das keinesfalls bedeutet, sich zu Kindern herabzubeugen! Tm Gegenteil zitierten wir (leicht verändert) Theodor Storm: "Für Kinder muss man schreiben wie für Erwachsene, nur noch 50% besser!"

Hermann Schulz lebt als Autor in Wuppertal. Im Juli erscheint "Der Junge
schläft schon ... Wendlandgeschichten
" (NordPark- Verlag. Wuppertal).


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