Natürliche Heilkunde


Natürliche Medizin in den Tropen

Natürliche Medizin in den Tropen ist nach Ansicht vieler Experten keine Modeerscheinung wie bei uns in Europa, sondern eine zwingende Notwendigkeit, um den Gesundheitszustand der Menschen zu verbessern.
Pflanzliche Heilkunde gibt es schon seit Jahrtausenden in Afrika. Wir wissen mittlerweile, dass es über 20.000 (!) medizinisch wirksame Heilpflanzen in der Dritten Welt gibt. Davon sind bisher lediglich einige 100 Pflanzenarten einigermaßen erforscht.

Die Situation vieler Entwicklungsländer im Gesundheitswesen ist nicht anders als desolat zu bezeichnen. So auch in der Kigoama-Region, die zu den wenig entwickelten Gebieten von Tanzania zählt. „Moderne" Medizin, also importierte Medizin aus Europa und Deutschland, ist für den größten Teil der Bevölkerung unerreichbar. Eine Übertragung
unserer westlichen Medizin ist allein schon aus Kostengründen undenkbar. Durch die Schuldenproblematik waren und sind viele Staaten, auch Tanzania, zu drastischen Einsparungen gezwungen. Dies geschieht besonders auf dem Bildungssektor und im Gesundheitswesen. Die Gesundheitsversorgung wird von Jahr zu Jahr schlechter. Die Apothekenregale der meist staatlichen Ambulanzen und Krankenhäuser sind leer. Die Patienten müssen sich Medikamente oft zu überhöhten Preisen in privaten Apotheken besorgen. Dabei entsprechen die Kosten deutschen Apothekenpreisen. Bei einem Monatslohn von ca 20-30.-Euro sind Medikamente für die wenigsten Menschen erschwinglich. Krankenkassen wie bei uns gibt es nicht. Hinzu kommen die unendlich beschwerlichen Wege in der Region, um zu den Behandlungsstätten zu gelangen. Die ländlichen Gebiete, z.B. die Uferregion am Tanganyika-See, sind äußerst schlecht versorgt. Schwangere müssen oft 6-8 Stunden mühsamen Fußweg zurücklegen, um zu einer Entbindungsstation zu gelangen.

Aus der Not heraus wenden sich viele Menschen an traditionelle Heiler, die im Dorf gleichsam im Haus nebenan wohnen. Sie sind billiger als die westlich geprägte Medizin. Heiler sprechen die Sprache des Volkes, sie leben mit den Menschen, kennen deren Probleme, ihre Traditionen, Vorstellungen und Gebräuche. Allerdings nutzen viele selbsternannte Heiler die Notlage der Bevölkerung aus, Scharlatane, die sich eine schon benutzte Spritze mit Kanüle besorgen, und auf dem Markt oder auf den Straßen Injektionen gegen alle möglichen Krankheiten anbieten. Injiziert wird irgendeine selbst hergestellte Flüssigkeit. Die Kanüle wird natürlich mehrfach benutzt. Die Preise für eine solche Wundermedizin sind erschwinglich, auf jeden Fall billiger, als Medikamente aus der Apotheke. So entstehen Abszesse, wird HIV(AIDS) und Hepatitis übertragen. Man schätzt, dass 80% der Bevölkerung traditionelle Heiler in Anspruch nehmen.
Auf der anderen Seite stehen natürliche Heilmethoden nicht besonders hoch im Kurs bei der offiziellen naturwissenschaftlichen Schulmedizin wie sie auch in den Ländern Afrikas betrieben wird. Die missionsärztliche Arbeit, die ja durch die westliche Medizin geprägt ist. bildet da keine Ausnahme. Auf Seiten der Mission war und ist oft die Angst vor dem Einfluss magischer Kräfte – das Verwobensein von erstaunlichen medizinischen Kenntnissen und Erfahrungen mit handfesten okkulten Praktiken - die Triebfeder, die traditionelle Heilkunde als ganzes abzulehnen und rigoros zu bekämpfen. So gingen viele Erfahrungen für immer verloren. Die Übergänge der Pflanzenheilkunde zu Methoden der “Zauberdoktoren” sind manchmal fließend. Gerade diese verfügen aber oft über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz an medizinisch wirksamen Heilpflanzen. Erst in den letzten Jahren ist es zu einer Bewusstseinsveränderung gekommen, nicht zuletzt durch die Erkenntnis, dass auch die westliche Medizin auf globaler Ebene an Grenzen gestoßen ist. Obwohl die medizinische Wissenschaft zu immer neuen Höhenflügen in den Industrienationen ansetzt, hat sie es nicht vermocht, den Gesundheitszustand in den Ländern der Dritten Welt auch nur ansatzweise zu verbessern.

Wirklich neue Entwicklungen der Pharmaindustrie werden seltener. Mittlerweile haben aber die großen Pharmakonzerne Afrika nicht nur als Markt für oft zweifelhafte Arzneimittel entdeckt (z.B.Arzneimittel, die in Deutschland schon längst verboten sind, werden in Afrika von den deutschen Pharmakonzernen weiter vertrieben und teuer verkauft), sondern man investiert erhebliche finanzielle Mittel, um die Wirksamkeit medizinischer Heilpflanzen zu erforschen. Man sucht nach neuen Wirkstoffen für die Entwicklung neuer Präparate. Die Konzerne versuchen dabei an der einheimischen Bevölkerung vorbei, die Pflanzen und deren Nutzung zu patentieren. Die Verwendung dieser Heilmittel wird dann für die einheimische Bevölkerung immer schwerer. Entwicklungsländer müssen aber auch in Zukunft das Recht behalten, ihre bei ihnen wachsenden Heilpflanzen unbeschränkt anzubieten, zu verarbeiten und zu nutzen.

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