Dorf Bugamba

Bericht von Gideon Kibambai, Kigoma

Bugamba ist eines von drei Dörfern im Mwangongo Ward (politische Verwaltungseinheit).
Das Dorf hat 536 Haushalte. In jedem Haushalt leben viele Kinder. Die Mehrzahl der Männer hat mehrere Ehefrauen, sie leben polygam. 75% der Bevölkerung sind Muslims. Moderne Lebensformen werden nur zögerlich angenommen, denn in den Augen der Muslims gelten moderne Lebensformen als typisch christlich. Viele Christen verlassen die Region. Sie ziehen in die Stadt nach Kigoma oder in andere Landesteile. Die Christen, die noch in Bugamba leben, sind überwiegend Flüchtlinge aus Burundi. Sie haben kaum Einfluss auf die politischen Entscheidungen, die getroffen werden.

Im letzten Jahr hat es einige hoffnungsvolle Ansätze für eine gewisse Entwicklung gegeben. In der Region wird eine Secondary School errichtet. Es ist die erste im nördlichen Gebiet des Tanganyika-Sees, der Einzugsbereich erstreckt sich bis nach Kagunga, der Grenzstation zum Nachbarstaat Burundi. Die Dorfbevölkerung hat bisher den wesentlichen Anteil der Bauarbeiten übernommen. Die Regierung will im kommenden Jahr beim weiteren Aufbau mithelfen. Außerdem wird eine zweite Grundschule errichtet.

Der Lebendstandard der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Das Leben der Menschen hängt von der Landwirtschaft (Subsistenzwirtschaft = die landwirtschaftliche Produktion dient der Eigenversorgung und wird nicht auf dem überregionalen Markt verkauft) und vom Fischfang ab.
Hauptanbauprodukte für den Eigenbedarf sind Cassava, Mais, Kochbananen und Palmöl. Der Fischfang ist zu einer teuren Angelegenheit geworden. Viele Fischer können sich die notwendigen Arbeitsmittel nicht mehr leisten. Netze, Aussenbordmotore, Lampen, Benzin, Kerosin sind nahezu unerschwinglich geworden.
20 Liter Benzin kosten 22,000/= Tshs (= 17,30,- EURO),
20 Liter Kerosin 25,000 Tshs (19,73,- EURO ).
Noch vor einem Jahr lag der Preis für 20 Liter Benzin bei 10,000/= Tshs (7,90 EURO) und 20 Liter Kerosin kosteten 7,000/= Tshs ( 5,50 EURO).


Diese Verteuerung der Lebenshaltungskosten bekommen wir auch in unserer täglichen Arbeit zu spüren. Viele Patienten können die Behandlung und die Medikamente nicht bezahlen, obwohl unsere Preise verglichen mit anderen Gesundheitseinrichtungen schon sehr niedrig sind. Wir behandeln jeden Patienten, auch diejenigen, die ihre Behandlung nicht bezahlen können. Die Armen und Bedürftigen werden umsonst behandelt. So sind unser Defizite am Jahresende zu erklären. Unser Traum, dass wir unsere Gesundheitsarbeit einmal völlig ohne Hilfe von außen führen können, geht noch lange nicht in Erfüllung.


Diese allgemeine Verteuerung hat beträchtliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des ganzen Landes. Die steigenden Transportkosten treibt die Preise für industriellen Güter aber auch die der landwirtschaftlichen Waren in die Höhe. Zum ersten Mal ist hier in Kigoma der Preis für Kerosin höher als der für Benzin. Die Preise sind nicht mehr stabil, sondern verändern sich laufend von Tag zu Tag .

Heutzutage bekommt man keine kleine Portion Dagaa (kleine Fische aus dem Tanganyika See, Haupteiweißquelle) mehr für 100/= wie noch vor kurzem. Man muss für die kleinste Portion heute bereits 200.- TzS auf den Tisch legen. Dies ist eine Art Indikator für uns. Viele werden sich in Zukunft nur noch von Cassava und deren Blätter als tägliche Hauptmahlzeit leisten können, Dagaa ist zu teuer und wird es in Zukunft vielleicht an den Festtagen wie Weihnachten einmal geben, wenn überhaupt.

Der geplante Neubau unserer Dispensary ist durch die gestiegenen Preise ebenfalls betroffen. Die Baukosten sind wegen der hohen Transportkosten enorm gestiegen. Alle Materialen außer den Ziegelsteinen müssen ja mit dem Boot von Kigoma nach Bugamba gebracht werden. Für eine Fahrt benötigt man ca 60 Liter Kerosin. Ich konnte zwar schon günstige Preise aushandeln, Allerdings heißt es hier, die Preise steigen noch weiter, da man mit starken Regenfällen während der Regenzeit rechnet.


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