Zur wirtschaftlichen Lage

Zur wirtschaftlichen Lage

Tansania verzeichnete 2003 ein Wirtschaftswachstum von 5,6 %, 2004 von 6,3 % und übertraf die beiden anderen Länder der Ostafrik. Gemeinschaft. Nachdem es sich von einem Jahrzeht wirtschaftlichen Missmanagements erholt hatte, erreichte Uganda drei Jahre in Folge je 5 % Wachstum. Kenia ist Schlusslicht. Das starke Wachstum Tansanias ist den Sektoren Bergbau und Tourismus zu verdanken. Der Export von Gold und landwirtschaftlichen Produkten nahm zu. Außerdem ist Tansania für Auslandsinvestition das lockendste Ziel und bleibt die von Geberorganisationen und -ländern am meis-ten unterstütze Nation. 40 % des Regierungshaushalts sind Auslandhilfe. In Tansania le-ben 36 % der Bevölkerung in Armut, in Uganda 38 %, in Kenia 56 %. (Guardian 24.1.05)
Erfolge des Schuldenerlasses: Dank des Schuldenerlasses, der im Rahmen des Programms für Hochverschuldete Arme Länder (HIPC) gewährt wurde, sparte Tansania insgesamt 858,7 Mio. US$ (ca. 900mrd/ TSh). Sie hätten an Mitglieder des Pariser Clubs und multilaterale Geldinstitute gezahlt werden müssen, konnten nun aber über den Staatshaushalt bestimmten Sektoren zugeteilt werden. Es sind Bildung, Gesundheit, Wasser- und Abwasser, landwirtschaftliche Forschung und Beratung, Straßen, Initiativen der Armutsbekämpfung. Die gewährten Mittel sind Teil des für die kommenden 20 Jahre vorgesehenen Schuldentilgungsprogramms in Höhe von 3,1 Mrd. US$. Ein Bericht des Finanzministeriums zeigt, was Tansania erreichte auf den Gebieten Steuern, Finanzverwaltung u. a.; auf dem Sektor Gesundheit wurden Impf- und HIV/AIDS-Kampagnen durchgeführt; 91,4 % der Einwohner haben Gesundheitsversorgung in maximal 10 km Entfernung, 75,4 % in maximal 6 km; der Bildungssektor verzeichnet eine Verdoppelung der Neueinschulungen; die Wasserversorung der ländlichen Bevölkerung verbesserte sich zwischen 2000 und 2003 von 48,5 % auf 53%; das Ziel von 55 % wurde verfehlt; in städtischen Gebieten wurde die Wasserversorung bei 73 % gehalten. (DN 26.2.05)
Mkapa zum Schuldenerlass: Bei der Jahreskonferenz der Erlassjahr-Kampagne in London sagte Präsident Mkapa: "Wir bitten um Schuldenerlass. Ehrlich, es ist ein Skandal, dass wir (die Verantwortungsträger verschuldeter Länder) gezwungen sind, zu wählen zwischen dem Leben eines Kindes, das infolge einer vermeidbaren Krankheit stirbt, und der Bedienung einer Auslandsschuld, die ohnehin nicht bezahlbar ist." Die reichen Industriestaaten sollten dafür sorgen, dass höhere Auslandshilfe, Schuldenerlass und fairer Handel bei ihrer Politik höchste Priorität haben. "Es gibt Anzeichen, dieses könnte das Jahr sein, das die G8-Länder veranlasst, totalen Schuldenerlass für Länder wie Tansania zu gewähren." Behauptungen, alle den afrikanischen Ländern gewährten Darlehen, würden missbraucht, für militärische Zwecke verwendet, wischte er zur Seite und verwies auf Tansania, wo Kreditmittel in die Infrastruktur der sozialen Dienste investiert worden seien. "Leider wuchs die Wirtschaft nicht schnell genug, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten; deshalb der Schuldenüberhang." Seine Ministerien hätten ein transparentes und offenes System für die Verwendung der Mittel des Schuldenerlasses eingeführt; Regierung, Zivilgesellschaft
und Geberländer seien einbezogen. Der teilweise Schuldenerlass habe seiner Regierung bereits gewaltige Schritte auf dem sozialen Sektor ermöglicht, bei Bildung, Gesundheit, Wasserversorgung. (DN 27.2.05)
Anmerkungen tansanischer Wirtschaftsexperten: Lokale Experten prophezeiten, die Tansanier müssten noch warten, bis sie direkt von den eindrucksvollen wirtschaftlichen Erfolgen der vergangenen Jahre profitieren könnten. Ein Mitarbeiter des Wirt-schaftsforschungsbüros der Dar-es-Salaamer Universität betonte, zur Errechnung der Wirtschaftsindikatoren würden vor allem die Sektoren Bankwesen, Bergbau und Kommunikation herangezogen. An diesen hätten die normalen Tansanier einen geringen Anteil. Er verfechte ein neues Konzept. Durch die Privatisierung sollten die Eigentumsrechte vom Staat auf privat wirtschaftende Tansanier übertragen werden, nicht auf Ausländer. Ein anderer sagte, wichtig sei vor allem die Infrastruktur. "Wenn alle Straßen, Industriebetriebe, Banken u. a. richtig funktionieren, dann kann man mit Früchten rechnen." Der Vorsitzende des Verbandes der tansanischen Industrie mahnte, "wir müssen ein bisschen geduldig sein. Wirtschaftswachstum heißt nicht, dass jeder sofort Geld hat." (DN 7.3.05)
Die Inflationsrate sinkt bis Juni wahrscheinlich dank Steuer- und Finanzpolitik und günstiger Witterungsverhältnisse auf 4 %. Im Nov. 04 betrug sie 4,1 %; (DN 7.3.05)

Entnommen:
Tansania-lnformationen 04/05, mit freundlicher Genehmigung

______________________________________________
______________________________________________


Vor der Wahl am 30.10.05: Ängste. Gebete.
Zu möglichen Unruhen:
Nach den Kommunalwahlen Ende '04 äußerten alle führenden Leute der Opposition dem East African gegenüber, sie fürchteten, bei den allgemeinen Wahlen werde Blut fließen. Die kommende Wahl werde turbulenter verlaufen, als die beiden, die seit Einführung des Mehrparteiensystem 1995 und 2000 stattfanden.
(The East African 6.12.04)
Die Polizei vernahm Lipumba, den Vorsitzenden der CUF, zu seiner Äußerung, falls man die CUF des Sieges "beraube", werde Blut fließen. Er antwortete im Beisein seines Anwaltes, im Jan. '01 seien auf Pemba mehr als 30 Menschen, die man für CUF-Un-terstützer hielt, ermordet worden, als sie gegen den Sieg der CCM protestierten. Er stehe zu dem, was er gesagt habe. Das Verhör sei in entspannter Atmosphäre geführt worden, berichtete er später.
(Guardian 30.12.04)
Premierminister Sumaye betonte bei Kundgebungen, während des Wahlkampfes und des Wahltages werde man größte Sicherheitsvorkehrungen treffen; viele Polizisten würden im Einsatz sein. Es gebe Hinweise darauf, dass die Opposition Störungen plane.
(DN.21.2.05)
Bischof Sylvester Gamanywa, Vorsitzender des Bischofsrates der Pfingstkirchen sagte, niemandes Blut werde vergossen bei der Wahl, obwohl einige Oppositionsparteien das prophezeit hätten.
(Msema Kweli 9.1.05)

Fürbitte für die Wahl:
Eine 50-köpfige Gruppe von Betern aus Großbritannien, Burundi, Malawi, Sambia, Uganda, Kenia und der Demokratischen Republik Kongo ist auf dem Weg nach Tansania. Sie will den Wahlkampf mit Gebeten begleiten, damit es nicht zu Unruhen komme. Außerdem möchte sie die Kirchen dazu bewegen, bei der Wahl umfassend zusammenzuarbeiten. Der leitende Pfarrer des Evangeliumsdienstes Tansania tue Buße' sagte, dieses Land sei als einziges Zufluchtsort vieler Menschen. Das Kommen der Beter gründe auf eine Offenbarung Gottes. Längst wüssten sie vom in Tansania herrschenden Frieden, von der Gastfreundlichkeit Fremden gegenüber. Deshalb hätten sie diesen Ruf angenommen. An verschiedenen Orten werde man mit Christen verschiedener Konfessionen zusammen beten.
(Msema Kweli 5.12.04)
In der Dar-es-Salaamer Kathedrale sangen die Gläubigen am Ende des Neujahrsgottesdienstes die Nationalhymne "Gott segne Afrika, er segne seine Menschen. Gott segne Tansania, er segne seine Menschen." Der Gemeindepfarrer sagte danach, Tansanias Nationalhymne sei eigentlich ein Gebet. "Dieses Jahr finden allgemeine Wahlen statt. Deshalb ist es angebracht, um Frieden und Fortdauer der Einheit der Nation zu beten." Mehrere führende Leute der Religionsgemeinschaften drängen die Politiker, Hass zu meiden und stattdessen Liebe, Frieden und Ruhe zu fördern. Der Erzbischof von Dar-es-Salaam, Polycarp m Kardinal Pengo, beklagte, dass führende Leute die Saat der Zwietracht säten. Man dürfe ihnen nicht erlauben, das Land in blutige Unruhen zu stürzen, wie andernorts geschehen.
(DN 3.1.05)
Der Imam einer Dar-es-Salaamer Moschee forderte seine Kollegen auf, in der Moschee über Politik zu predigen, ohne sich zu fürchten. Bischöfe und Pfarrer täten das in ihren Kirchen auch, ohne dass man sie bestrafe. Nur den musli-mischen Predigern werfe man vor, sie vermischten Glauben und Politik. "Wir haben diese Missgunst satt." Die Regierung tue so, als seien die Muslime keine Bürger dieses Landes. Wann wurde Tansania zu einem christlichen Land? "Wenn die Regierung behauptet, sie habe keine Religion, dann soll sie alle gleich behandeln, nicht die Christen vorziehen, nicht deren führenden Leuten erlauben, in der Kirche über Politik zu predigen, ohne sie dafür zu tadeln." Von nun an sollten die muslimischen Geistlichen über die Wahlen sprechen und wie die Christen sagen, wer als Staatschef tauge, sich nicht vom Blabla der Regierung einschüchtern lassen. Dieses Land gehöre nicht nur den Christen.
(Alasiri 19.1.05)
Präsident Mkapa sagte, man habe den führenden Leuten der Religionsgemeinschaften geraten, die Gotteshäuser nicht als politische Plattform zu benützen. "Glücklicherweise versicherten sie, man werde weder einer Partei noch Einzelnen helfen, ihre politischen Ziele zu erreichen. Das ist ermutigend."
(DN 17.2.05; Guardian 17.2.05)


Entnommen: Tanzania-Informationen 03/2005, mit freundlicher Genehmigung


(C) 2011 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken