Klimawandel von Menschenhand

Maßnahmen zur Verlangsamung des Bevölkerungswachstums tragen zur Verringerung des Treibhauseffekts bei.

Der Menschheit bleiben noch nicht einmal 15 Jahre, um eine unumkehrbare Klimakatastrophe abzuwenden. Das geht laut aktuellen Medienberichten aus dem noch unveröffentlichten dritten Teil des Weltklimaberichts der Vereinten Nationen (UN) hervor. Bereits Anfang Februar hatten die UN-Experten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) den ersten Teil des Berichts vorgestellt. Darin machen sie so deutlich wie nie zuvor den Menschen für den globalen Klimawandel verantwortlich: Der größte Anteil der globalen Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts sei "sehr wahrscheinlich" auf die vom Menschen verursachte Freisetzung von Treibhausgasen, hauptsächlich Kohlendioxid, zurückzuführen. Bis 2100 erwarten die Forscher einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um mindestens 1,8 Grad Celsius, im schlimmsten Fall sogar um 6,4 Grad.


Wachsende Bevölkerung, steigende CO2-Emissionen

Bevölkerungsexperten stellen den Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Weltbevölkerung und dem sich ändernden Klima schon lange nicht mehr in Frage. Mehr Menschen produzieren höhere Emissionen von Kohlendioxid, was wiederum die Erwärmung des Klimas beschleunigt. "Schätzungen zufolge war das Weltbevölkerungswachstum in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts für rund ein Drittel des Anstiegs der CO2-Emissionen verantwortlich", erklärt Dr. Jörg F. Maas, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW). Der weltweite Kohlendioxidausstoß pro Kopf erreichte 1979 mit 1,23 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr seinen Höhepunkt. Durch die Verwendung alternativer Brennstoffe und Energieeinsparungen sanken die Emissionen pro Person bis 1992 zwar auf 1,12 Tonnen. Aufgrund des anhaltenden Bevölkerungswachstums stieg die jährliche Gesamtmenge jedoch weiter an. Mit rund sieben Milliarden Tonnen Kohlenstoff war die globale Jahresemission im Jahr 2002 etwa doppelt so hoch wie noch 35 Jahre zuvor. Die Hauptursachen für die steigenden CO2-Emissionen sind jedoch der zunehmende Pro-Kopf-Verbrauch von Energie und materiellen Gütern sowie der Einsatz von umweltschädlichen Technologien. Heute sind die Industrieländer für mehr als 60 Prozent des weltweiten CO2-Austoßes verantwortlich, allein die USA für über 20 Prozent.

Mit Familienplanung gegen den Klimawandel

Ein Blick in die Zukunft zeigt jedoch: Selbst wenn sich der Pro-Kopf-Ausstoß weltweit konsolidieren sollte, steigen die Kohlendioxid-Emissionen durch die zunehmende Zahl von Menschen. "Maßnahmen der Familienplanung sollten unverzichtbarer Bestandteil einer ganzheitlichen Klimapolitik sein. Denn eine Verlangsamung des Bevölkerungswachstums kann dazu beitragen, den Treibhauseffekt zu verringern", so Maas.

Derzeit wächst die Weltbevölkerung noch immer um 80 Millionen Menschen pro Jahr. 2050 werden voraussichtlich mehr als neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Das derzeitige Bevölkerungswachstum findet zu 98 Prozent in den Entwicklungsländern statt. "Gerade hier ist eine stärkere Investition in Familienplanungsprogramme unerlässlich", fordert Maas. Laut UN-Angaben ist damit zu rechnen, dass innerhalb der nächsten 15 Jahre rund 60 Prozent der jährlichen CO2-Emissionen aus den Entwicklungsländern stammen. In erster Linie ist dies auf die zunehmende Industrialisierung und das Wirtschaftswachstum in diesen Ländern zurückzuführen, wodurch der Konsum von Energie und materiellen Gütern pro Person wachsen wird.

Entnommen: DSW-news Februar 2007, mit freundlicher Genehmigung

Quelle: People in the Balance, Population Action International, Washington 2006.
Eine deutschsprachige Zusammenfassung des UN-Klimaberichts erhalten Sie unter: http://
www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/ausgewaehlte_themen/klimawandel/ipcc_bericht_2007/


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