Müttersterblichkeit

Jede Minute stirbt eine Frau infolge von Schwangerschaft oder Geburt

Der Kampf gegen die Müttersterblichkeit hat in den vergangenen 20 Jahr kaum Fortschritte gemacht. Massive Investitionen in Familienplanung und die Ausbildung von Gesundheitspersonal sind notwendig, um das Millennium-Entwicklungsziel zur Müttergesundheit noch zu erreichen.

Im Jahr 2005 starben weltweit etwa 536.000 Frauen infolge von Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt — 99 Prozent von ihnen in Entwicklungsländern. Dies geht aus einer gemeinsamen Studie verschiedener UN-Organisationen und der Weltbank hervor, die im Oktober veröffentlicht wurde. Damit ist die Müttersterblichkeit seit 1990 um weniger als ein Prozent jährlich gesunken. Das Erreichen des Millennium- Entwicklungsziels, das eine Senkung der Müttersterblichkeit bis 2015 um drei Viertel vorsieht, ist damit in weite Ferne gerückt.


In armen Ländern ist die Müttersterblichkeit besonders hoch. Während in den Entwicklungsländern im Jahr 2005 450 Frauen pro 100.000 Geburten starben, sind es in den Industrieländern lediglich neun. Afrika südlich der Sahara ist die Region mit der höchsten Müttersterblichkeit der Welt. Hier wird weniger als die Hälfte aller Geburten medizinisch betreut. Eine von 22 Frauen stirbt an Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt.

Folgen für Familie und Wirtschaft
Da Frauen in Entwicklungsländern eine bedeutende Rolle für die Ernährung und damit das Oberleben ihrer Familien innehaben, ist ihr Tod mit weit reichenden Folgen verbunden. So haben Studien ergeben, dass Kinder, die ihre Mutter verloren haben, selbst ein zehnmal höheres Risiko tragen, zu sterben als ihre Altersgenossen. Darüber hinaus wirkt sich der Tod von Frauen auf die wirtschaftliche Entwicklung von Ländern aus — vor allem dadurch, dass Tausende von Arbeitskräften fehlen. Die US-amerikanische Entwicklungshilfeagentur (USAID) schätzt, dass die hohe Müttersterblichkeit jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von 15 Milliarden US-Dollar verursacht.


Die Autoren der UN-Studie fordern die internationale Gemeinschaft auf, deutlich mehr in den Kampf gegen die Müttersterblichkeit zu investieren. 2004 sind etwa 530 Millionen US-Dollar für die Gesundheit von Müttern weltweit ausgegeben worden. Bis 2015 seien hierfür jedoch zusätzlich knapp sechs Milliarden US-Dollar notwendig. Vor allem müsse die Ausbildung professioneller Hebammen gefördert, Krankenhäuser für Maßnahmen der Geburtsnothilfe ausgestattet und das Angebot von Familienplanungsdiensten massiv ausgebaut werden.

Women Deliver stärkt Kampf gegen Müttersterblichkeit

Auf der Weltkonferenz zur Müttergesundheit Women Deliver in London, die nur wenige Tage nach Erscheinen der UN-Studie ausgerichtet wurde, gab es bereits erste finanzielle Zusagen von Regierungen und internationalen Organisationen. So versprach die britische Regierung, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), 200 Millionen US-Dollar, um den Zugang zu Dienstleistungen der reproduktiven Gesundheit für Frauen weltweit zu verbessern. Gleichzeitig gab Japan bekannt, das Thema Gesundheit in den Mittelpunkt des G8-Gipfeltreffens im kommenden Jahr zu stellen, das von der japanischen Regierung organisiert wird. Weitere finanzielle Zusagen kamen unter anderem von amerikanischen Stiftungen, wie der Bill und Melinda Gates- und der MacArthur-Stiftung. (ii)


Die Studie „Maternal Mortality 2005“ können Sie unter
www.unfpa.org/ pulications/detail.cfm?ID=343 herunterladen.

Entnommen
DSW[newsletter] November 2007
Mit freundlicher Genehmigung

Siehe auch

Godfrey Mbaruku, Enhancing survival of mothers and their newborns in TanzaniaKibambai, Gideon, The magnitude and factors influencing low deliveries in health facilities in Kigoma district


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