Kinder- und Müttersterblichkeit

Jedes Jahr sterben weltweit über zwei Millionen Mütter und Babys

Die meisten Todesfälle könnten vermieden werden, wenn der Zugang zu Basis-Gesundheitsfürsorge und die Ausbildung von medizinischem Fachpersonal verbessert würden.
Wie eine neue Studie zu Kinder- und Müttersterblichkeit von Save the Children, der Gates Foundation und der Johns Hopkins Universität belegt, sterben jährlich über zwei Millionen Mütter und Babys aufgrund von Komplikationen bei der Geburt. Diese Zahl teilt sich in 1,02 Millionen Totgeburten und 904.000 Babys auf, die kurz nach der Geburt sterben. Die Werte liegen weit höher als etwa die jährlichen weltweiten Todesfälle bei Kindern aufgrund von Malaria (820.000) und HIV/Aids (208.000). Zudem ereignen sich etwa 225.000 – rund 40 Prozent der weltweit jährlich rund 536.000 – Todesfälle von Müttern während oder kurz nach einer Geburt.

„Hinter diesen riesigen Zahlen verbergen sich unzählige Geschichten von persönlichem Verlust“, berichtet John Lawn, der die Kampagne „Die Leben von Neugeborenen retten“ von Save the Children leitet. Die Wissenschaftler, so Lawn, seien von den Zahlen und von dem Mangel an Fürsorge für die Mütter und ihre Babys erschüttert gewesen. Totgeburten würden oft gar nicht beachtet.

Um die Situation fassbarer zu machen, haben die Autoren des Reports ausgerechnet, dass jede Stunde 230 Babys sterben – Todesfälle, die in fast allen Fällen vermeidbar gewesen wären. Die meisten Neugeborenen sterben in abgelegenen ländlichen Gegenden, wo es nur wenig Ärzte und Gesundheitspersonal gibt. Noch immer werden 60 Millionen der jährlich 136 Millionen Babys außerhalb von Gesundheitseinrichtungen geboren. Nur eines von fünf Babys in Afrika wird von medizinischem Fachpersonal auf die Welt gebracht.

Der Report macht deutlich, dass viele der Todesfälle vermieden werden könnten, wenn der Zugang zu Basis-Gesundheitsfürsorge verbessert wird. Zudem sei es wichtig, das medizinische Personal vor Ort für den Notfall damit vertraut zu machen, wie man einen Kaiserschnitt sachgerecht ausführt, und sie mit weiteren lebensrettenden Kenntnissen auszustatten. In Malawi sei diese Strategie erfolgreich umgesetzt worden: Dort kommen heute etwa 60 Prozent aller Babys in Kliniken oder Gesundheitsstationen zur Welt, und die meisten Kaiserschnitte werden nicht von Ärzten, sondern von speziell ausgebildeten Fachkräften ausgeführt. Ähnliche Konzepte werden derzeit in Indien diskutiert. Dort denkt man darüber nach, traditionelle Geburtshelferinnen, dai genannt, zu fördern und in das öffentliche Gesundheitswesen zu integrieren, anstatt diese Berufsgruppe zu marginalisieren.

Quelle: AP, 7. Oktober 2009, IPS, 14. Oktober 2009


Entnommen
DSW (Newsletter), Oktober 09
Mit freundlicher Genehmigung
(DSW= Deutsche Stiftung Weltbevölkerung)


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