Das unsichtbare Leiden

Scheidenfisteln - das unsichtbare Leiden

Familienplanung und Aufklärung können neue Fälle von Fisteln verhindern.

Der mangelnde Zugang zu adäquater medizinischer Versorgung während der Geburt sowie die damit verbundenen hohen Kosten sind die größten Hindernisse, um das Entstehen von Scheidenfisteln zu vermeiden. Zudem sind die werdenden Mütter häufig schlecht über die Risiken einer Geburt informiert oder können im Fall von Geburtskomplikationen nicht selbst entscheiden, ein Krankenhaus oder eine andere medizinische Einrichtung aufzusuchen. Dies ist das Ergebnis einer im April veröffentlichten Studie des Women’s Dignity Projects in Tansania und der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation EngenderHealth. Die Experten fordern zudem ein stärkeres Engagement seitens der Politik, das eine bessere Gesundheitsversorgung von Frauen und den Zugang zu Möglichkeiten der Familienplanung beinhaltet.


Tansania: Fisteln treffen Jung wie Alt

In Tansania erkranken jedes Jahr etwa 3.000 Mädchen und Frauen an Scheidenfisteln. Wie die jüngst veröffentlichte Studie zeigt, ist das Durchschnittsalter der Fistelpatientinnen in Tansania höher als in anderen Entwicklungsländern. Während in Äthiopien vor allem Mädchen im Teenageralter an Scheidenfisteln erkranken, waren mehr als die Hälfte der 61 Befragten in der tansanischen Studie zwischen 20 und 24 Jahren; die älteste Patientin war 46 Jahre alt.

Die Betroffenen berichteten, dass sie während der Schwangerschaft, die meist problemlos verlief, durchaus Vorsorgeuntersuchungen wahrnahmen. Häufig entsprachen diese jedoch nicht den von der Regierung vorgegeben Richtlinien. So wurde keine der Frauen aufgefordert, eine Urinprobe abzugeben oder einen Hämoglobin-Test durchzuführen. Zudem empfahl das schlecht ausgebildete medizinische Personal eine Hausgeburt, was einer Entbindung ohne jegliche medizinische Betreuung gleichkommt.

Millionen Frauen leiden an dieser Geburtsverletzung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass in den Entwicklungsländern etwa zwei Millionen Frauen an Scheidenfisteln leiden. Experten vermuten jedoch, dass die tatsächlichen Betroffenenzahlen weit höher liegen. Scheidenfisteln entstehen, wenn Frauen tagelang in den Wehen liegen. Währenddessen drückt der Kopf des Babys unablässig auf das Gewebe im Unterleib. Dadurch wird die Blutzufuhr unterbrochen und Teile des Gewebes sterben ab. So entstehen Löcher zwischen Scheide, Blase und Darm – Scheidenfisteln. Die betroffenen Frauen können die Ausscheidung von Urin und Exkrementen nicht mehr kontrollieren. Meistens werden sie deshalb von der Dorfgemeinschaft und ihrer Familie verstoßen. Einsamkeit und Armut sind die Folge.


Quelle: Women’s Dignity Project and EngenderHealth: Risk and Resilience: Obstetric Fistula in Tanzania, Tanzania/USA 2006.
Entnommen
DSW [newsletter]mai.2007
Mit freundlicher Genehmigung


(C) 2011 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken