Berichte

Zusammenfassung eines Projektberichtes über die Arbeit der MMH/MMS in der Kigoma Region/Tanzania durch den Projektleiter Mr. Gideon Kibambai im Juli 2007 für den Vorstand der MMH/MMS in Deutschland


Seit über 10 Jahren sind wir für die zwei Ambulanzen (Dispensaries) in Bugamba und Nkalinzi verantwortlich.
Bugamba liegt direkt am Ufer des Tanganjika Sees, Nkalinzi im Landesinnern, ca. 20 Km von Bugamba entfernt.
In Bugamba haben wir 1995 begonnen. Die meisten Patienten kommen aus dem Dorf Bugamba und aus den Nachbarorten Mwangongo und Kiziba. Darüber hinaus kommen auch Patienten von weiter entfernt gelegenen Orten.
Der Hauptschwerpunkt unserer Arbeit liegt z. Zt. auf der Behandlung von Patienten.
Die Haupterkrankungen sind Malaria, Lungenentzündungen und Atemwegsinfektionen. Weiter Wurmerkrankungen wie Ascariden, Strongyloides, Hakenwürmer, Bilharziose (Schistosoma mansoni), Giardiasis (Lamblienruhr), Amoebiasis, Harnwegsinfektionen.


2006 konnten wir ein neues Ambulanzgebäude errichten. Die finanzielle Unterstützung aus Deutschland war uns dabei eine große Hilfe. Das neue Gebäude ist direkt am Seeufer gelegen. So sind wir für die Patienten aus den Nachbardörfern leichter erreichbar. Das bisher benutzte Ambulanzgebäude war von uns angemietet. Es lag auf einer kleinen Hochebene im Dorf Bugamba. Die Patieten aus den Nachbarorten mussten erst noch einen kleinen Berg ersteigen, um zu uns zu kommen. Das Gebäude war aus ungebrannten Ziegeln gebaut und deshalb regelmäßig von Termiten zerfressen. Wir mussten regelmäßig viel Geld für Renovierungen aufbringen. Deshalb war der Neubau für uns kein Luxus, sondern unbedingt notwendig. Das neue Gebäude verfügt über ausreichend Platz. Wir haben drei Räume für den Klinikbetrieb, sogar einen gesonderten Raum für Entbindungen. Wir wollen keine große geburtshilfliche Klinik eröffnen. Aber wir benötigen den Raum für Frauen, für die der Weg in das Krankenhaus in Kigoma oder in Matyazo zu weit entfernt ist.
Der Weg in das nächste Krankenhaus beträgt immerhin 6-8 Stunden Fußweg über einen 2000m hoch gelegenen Gebirgszug hinweg.



Neben der Behandlung von Patienten liegt ein weiterer Schwerpunkt unserer Tätigkeiten in der direkten Arbeit mit der Bevölkerung im Sinne von Community Based Work. Wir sind dabei, in einzelnen Ortschaften den Menschen deutlich zu machen, wie wichtig ein solcher bevölkerungsbezogener Ansatz ist. Nicht wir tun etwas für die Bevölkerung, sondern die Bevölkerung soll erkennen, dass sie in der Lage sind , ihre Probleme mit eigenen Mitteln zu lösen. Ganz konkret haben wir mit dem Thema HIV/AIDS begonnen. Wir bereiten 2 –Tagesseminare zu diesem Thema vor. Aus den betreffenden Ortschaften nehmen ca. 50 Einwohner teil. Vertreten sind in der Regel Dorfälteste, Vertreter von Jugend- und Frauengruppen, Traditional Birth Attendance. Wir besprechen, wie die HIV- Infektion übertragen wird, und erörtern die Auswirkungen der Krankheit auf die Familie und auf das Gemeinwesen. Bisher haben wir 3 Dörfer ausgewählt, mit denen wir arbeiten. Andere Themen, über die wir sprechen, sind: Sauberes Wasser, Nutzung von Latrinen. Wir sprechen auch darüber, wie wichtig die regelmäßige Anwendung von Moskitonetzen ist. Imprägnierte Moskitonetze sind zu erschwinglichen Preisen in der Stadt zu kaufen. Sie können wirksam vor einer Malaria Infektion schützen.


Wir haben einen Heilmittelgarten in Bugamba, der z.Zt. neu angepflanzt werden muss. Durch unsere Bauarbeiten an der neuen Dispensary haben wir ihn in den letzten beiden Jahren nicht ausreichend pflegen können. Der Garten dient als Anschauung für die Dorfbevölkerung. Er besteht aus verschiedenen Pflanzen und Bäumen, die eine medizinische Wirkung haben. Wir unterrichten, wie die Menschen diese Pflanzen im Krankheitsfall anwenden können. Gegen die Malaria hat sich z.B. Artemisia annua bewährt. Die pflanzlichen Heilmittel sind für die Menschen wesentlich billiger und praktisch immer verfügbar. In Nkalinzi sind wir mit der Community Arbeit noch nicht so weit. Hier arbeiten wir bisher ausschließlich kurativ, d.h. wir behandeln die Patienten, die zu uns in die Dispensary kommen. Wir hoffen, dass wir auch in Nkalinzi eine bevölkerungs- und dorfbezogene (i.S. Community Based Development/Health) Arbeit beginnen können. Aber z. Zt. liegt unser Hauptschwerpunkt dieser Arbeit in Bugamba.

Ich möchte Ihnen einige Problembereiche vorstellen:


Fehlendes qualifiziertes Personal
Zur Zeit ist es sehr schwierig, gut ausgebildete Mitarbeiter zu bekommen. Dies gilt besonders für Bugamba, aber auch für die Arbeit in Nkalinzi. Bugamba liegt weit entfernt von der nächsten Stadt und ist nur mit dem Boot zu erreichen. Das Schiff fährt einmal täglich und zwar nur früh morgens. Wenn man diese Fahrgelegenheit versäumt, muss man bis zum nächsten Tag warten. Eine andere Möglichkeit nach Kigoma zu kommen, gibt es nicht. Allein aufgrund dieser äußeren Gegebenheiten, ist es sehr schwierig für uns, qualifizierte und motivierte Mitarbeiter für unsere Arbeit zu gewinnen. Dies bereitet uns große Sorgen. Die Nachhaltigkeit unserer Arbeit ist dadurch erheblich gefährdet. Wir tun unser Bestes, unser augenblickliches Personal zu motivieren. So möchten wir z.B. für einigermaßen angemessene Wohnmöglichkeiten sorgen.

Fischfang
Der zweite Problemkreis betrifft die Menschen, die hier wohnen. Die Lebensgrundlage der Bevölkerung ist der Fischfang. Man benutzt dabei alte Fangmethoden und altes Fischereigerät. Man hat festgestellt, dass durch diese Fangmethoden erhebliche ökologische Schäden verursacht werden. Deshalb hat der Staat diese alten Fangmethoden verboten. Um weiterhin fischen zu können, müssen die Fischer sich neues Fanggerät und neue, größere Boote anschaffen. Kaum einer kann sich dies leisten. Viele Fischer sind auf diese Weise arbeitslos geworden. Sie haben kein Einkommen mehr. Die Hauptlast der Ernährung der Familie liegt nun allein auf den Schultern der Frauen, die die Landwirtschaft betreiben. Die Landwirtschaft wird aber bei der Bevölkerung hier in der Gegend nicht hoch geachtet. Es ist Frauensache. Die Männer haben nichts anderes als Fischfang gelernt. Sie hängen lieber herum, trinken viel Alkohol, als dass sie sich auf die Landwirtschaft einlassen. Die Menschen hier verarmen zunehmend. Diese Situation hat erhebliche Auswirkungen auch auf unsere Arbeit. Wenn die Menschen hier krank werden und zur Behandlung kommen, können sie die Medikamente und die Behandlung nicht bezahlen. Wir behandeln allen Patienten, die zu uns kommen, niemand wird abgewiesen. Bei den wenigsten können wir überprüfen, ob sie wirklich arm sind. Wenn die Patienten ihre Schulden nicht bezahlen, können wir sie nicht anzeigen und vor ein Gericht bringen. Am Ende des Monats haben wir oft nicht genügend Einahmen, um unseren Mitarbeitern die Gehälter zu bezahlen. Unsere Behandlungspreise sind verglichen mit den anderen staatlichen und kirchlichen Einrichtungen in der Umgebung eher niedrig. Trotzdem können die Menschen die fälligen Beträge nicht aufbringen. Wir sind deshalb auf die Unterstützung unserer Freunde in Deutschland angewiesen, wenn wir überleben wollen.

Transport
Ein weiteres Problem ist der Transport unserer Patienten. Wie ich schon erwähnt habe, liegen die Orte der nördlichen Seeregion abgelegen. Nur einmal täglich fährt ein Boot nach Kigoma.. Wenn ein Patient mit einer ernsthaften akuten Erkrankung zu uns kommt und dringend im Krankenhaus behandelt werden muss und diese Fahrgelegenheit am frühen Morgen versäumt, muss er bis zum kommenden Tag warten. Das ist dann oft zu spät. Es sei denn, die Angehörigen können ein Boot mieten. Aber dies kann sich nur eine sehr kleine Minderheit am Ort leisten. Der Preis für Diesel ist sehr hoch. Man benötigt für einen Weg hin nach Kigoma 50 Liter. Wer kann sich das schon leisten?
Unsere Vorstellung: Wir möchten ein Boot mit Außenbordmotor anschaffen unter Beteiligung der Dorfbevölkerung. Vorgeschlagen wurde die Gründung eines Fonds, in dem das Dorf einen Betrag einzahlt. Das Dorf sollte dann für die laufenden Kosten aufkommen. Für die Anschaffung des Bootes mit Motor müssten wir dann aufkommen.

Löhne
Mit der Höhe der Gehälter unserer Mitarbeiter müssen wir uns an die von der Regierung festgesetzten Mindestlöhne halten. Die Mindestlöhne sind von der Regierung drastisch erhöht worden.
Auch zahlt die Regierung mittlerweile gerade im Gesundheitsbereich wesentlich höhere Löhne in den staatlichen Krankenhäusern. Wir können mit diesen Gehältern nicht mithalten. Das heißt, unsere guten Mitarbeiter verlassen uns, weil der Staat wesentlich mehr bezahlen kann. Wer heutzutage in den Staatsdienst wechseln kann, wechselt. Die Bedingungen, dort zu arbeiten, haben sich gegenüber früher, erheblich verbessert.

Es handelt sich um ein grundsätzliches Probleme für Tanzania, nicht nur für die MMH/MMS in Bugamba und Nkalinzi. Qualifizierte Mitarbeiter verlassen die privaten Dienste und gehen in die staatlichen Gesundheitseinrichtungen, weil sie dort mehr verdienen. Früher war es genau umgekehrt.
Darüber hinaus fehlt bei uns in Tanzania qualifiziertes Personal.
Unser Ausbildungssystem gewährleistet nicht, dass genügend Mitarbeiter ausgebildet werden. Die Ausbildung liegt in der Verantwortung des Gesundheitsministeriums, die Anstellung des Gesundheitspersonals erfolgt dann auf Distriktebene. Hier werden dann die Stellen besetzt, die unbedingt besetzt werden müssen. Oftmals werden dann Stellen mit Mitarbeitern besetzt, die für die Tätigkeit nicht ausgebildet wurden, weil kein anderes Personal da ist.
Die Regierung fördert zurzeit massiv den Ausbau der Dispensaries. Man hat sich das Ziel gesetzt, in jedem Dorf eine Dispensary zu errichten. Aber was nützt dies, wenn es nicht genug qualifiziertes Personal gibt, dass dort arbeiten kann? So ist es kein Wunder, wenn die Patienten keine gute Behandlung erhalten. Insgesamt sehen wir in den letzten Jahren keine großen Fortschritte auf dem Gebiet der gesundheitlichen Versorgung. Mit einem Satz: es fehlt überall qualifiziertes Personal, die Qualität der Behandlung ist unzureichend.
Unsere Zukunft als MMS/MMH hängt sehr stark von unseren eigenen Bemühungen und Anstrengungen ab. Zwar brauchen wir die Unterstützung unserer Freunde in Deutschland. Die Vorstellung, dass wir ohne Unterstützung auskommen, uns wirtschaftlich selbst finanzieren werden, hat sich als Illusion erwiesen. Darüber hinaus benötigen wir selbst die Überzeugung und auch den Willen, dass es unsere eigene Arbeit ist, und das wir selbst in der Lage sind, die Arbeit zu tun. Auf unsere eigene Motivation kommt es entscheidend an. Als MMS/MMH sind wir arbeitsorientiert. Dies fällt manchem unserer Mitarbeiter schwer. Sie wollen lieber ohne Schwierigkeiten reisen, wollen viel Freizeit haben, ein bequemes Leben führen.
Ich persönlich denke, wir haben viele gute Möglichkeiten, wir können Dinge an der Basis verändern. Es gibt noch so viel zu tun. Wir haben hierfür gute Voraussetzungen und Unterstützung, so dass wir mit Gottes Hilfe und mit der Hilfe unserer Freunde den Not leidenden Menschen in einer benachteiligten Gegend helfen können.


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