WHO-Studie: Ungleiche Fortschritte

Neue WHO-Studie: Ungleiche Fortschritte bei den gesundheitsbezogenen Millennium-Entwicklungszielen

In Afrika südlich der Sahara besteht erheblicher Handlungsbedarf.
Insgesamt sind weltweit Fortschritte bei den gesundheitsbezogenen Millennium-Entwicklungszielen (MDGs) zu verzeichnen. Jedoch fallen die Entwicklungen regional sehr unterschiedlich aus. Das zeigt die im Mai erschienene Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) "World Health Statistics 2010". So sind beispielsweise die HIV/Aids-Infektionen weltweit zurückgegangen und es sterben weniger Kinder. Die geringsten Fortschritte wurden bisher bei der Müttergesundheit erreicht. Am schlechtesten ist die Situation jedoch in Afrika – hier ist es am unwahrscheinlichsten, dass die MDGs erreicht werden.
Nur noch fünf Jahre sind es bis 2015 - dem Zeitpunkt, an dem die Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen erreicht sein sollen. Mit ihrer im Mai erschienenen Studie "World Health Statistics 2010" zieht die WHO eine Zwischenbilanz. Insgesamt gibt es weltweit Fortschritte bei den gesundheitsbezogenen Zielen, etwa bei dem Ziel, die Ausbreitung von HIV/Aids bis 2015 zu stoppen und allmählich umzukehren. Die Infektionen mit dem Virus sind zwischen 2000 und 2008 um 16 Prozent zurückgegangen. Die Fortschritte sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich der Zugang zur HIV/Aids-Prävention sowie zur Behandlung und Pflege weiter verbessert hat. So erhielten im Jahr 2008 beispielsweise rund 630.000 der insgesamt 1,4 Millionen schwangeren, HIV-positiven Frauen eine antiretrovirale Behandlung, um die Übertragung der Krankheit auf die Kinder zu verhindern. Das entspricht einer Rate von 45 Prozent – eine Steigerung um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Jedoch gibt es große regionale Unterschiede, die bei einem Vergleich von Ländern mit niedrigem bzw. mittlerem Einkommen in Europa und in Afrika deutlich werden. Während in Europa 94 Prozent der schwangeren, infizierten Frauen entsprechende Medikamente erhielten, profitierte in afrikanischen Ländern, die die höchsten HIV/Aids-Raten haben, noch nicht einmal jede zweite Frau davon.

Afrika südlich der Sahara: Besonders große Risiken für Mütter

Auch bei der Müttergesundheit sind insgesamt erste Fortschritte zu verzeichnen, allerdings wertet sie die WHO als "enttäuschend". Zwischen 1990 und 2008 ist die Müttersterblichkeit weltweit um bis zu 1,3 Prozent gesunken. Um das MDG – eine Senkung der Müttersterblichkeit bis 2015 um drei Viertel – zu erreichen, ist allerdings ein jährlicher Rückgang von 5,5 Prozent notwendig. Derzeit sterben jährlich mehr als 300.000 Frauen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt, besonders hohe Risiken haben Mütter in Afrika südlich der Sahara. Positiv zu verzeichnen ist, dass weltweit mehr Frauen Geburtshilfe erhalten.

Jedoch gibt es auch hier große regionale Unterschiede. So wird in Afrika noch nicht einmal jede zweite Geburt professionell begleitet. Für die Müttergesundheit ist auch die Verfügbarkeit von Methoden zur Familienplanung wichtig – bis 2015 soll jeder Mensch Zugang dazu bekommen. Auch hier gibt es Fortschritte: Hatte 1990 nur die Hälfte der verheirateten Frauen zwischen 15 und 49 Jahren Zugang zu modernen Verhütungsmethoden, so waren es 2005 immerhin 62 Prozent. Jedoch weist die Weltgesundheitsorganisation auf einen nach wie vor hohen ungedeckten Bedarf an Familienplanung vor allem in Afrika hin: 24 Prozent der Frauen wenden keine Verhütungsmethoden an, obwohl sie nicht schwanger werden wollen.
Deutlichere Fortschritte konnten dagegen bei der Kindersterblichkeit erzielt werden. So ist weltweit die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren von 1990 bis 2008 um 30 Prozent gesunken. Insbesondere seit dem Jahr 2000 sind größere Fortschritte zu verzeichnen – so hat sich in Afrika seitdem der Rückgang der Kindersterblichkeit gegenüber dem vergangenen Jahrzehnt verdoppelt.

Weitere Informationen:
Die Studie
World Health Statistics 2010
kann in englischer Sprache kostenlos heruntergeladen werden.
Quelle: WHO: World Health Statistics 2010, Mai 2010.

Mit freundlicher Genehmigung :
DSW(news) Mai 2010


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