Daniel E. Fountain

Daniel E. Fountain ist Absolvent der Colgate University, der University of Rochester und der Johns Hopkins University und war nach Abschluss seines Studiums mit dem American Baptist Board of International Ministries 35 Jahre als Missionsarzt im Kongo tatig. Wahrend dieser Zeit war er Direktor des Medizinischen Dienstes der Baptist Church of Western Congo und Direktor des Vanga Evangelical Hospital in der Demokratischen Republik Kongo (früher Zaire). Dr. Fountain ist der Griinder und friihere Direktor mehrerer Gesundheitsprogramme in Afrika, wozu ein Institut zur Ausbildung von Mitarbeitern im Gesundheitsdienst und ein Netzwerk fur Medizinische Dienste in ländlichen Gebieten gehört. Als anerkannte Autorität in der Behandlung von Aids-Patienten erhielt Dr. Fountain zudem zahlreiche Auszeichnungen für seine Arbeit im Gesundheitswesen. 1984 griindeten er und Pastorin Felicity Matala im Vanga Hospital einen integrierten medizinisch-seelsorgerlichen Dienst zur Heilung des ganzen Menschen. Er leitete diesen Dienst bis 1996.
Er ist Mitglied der Christian Medical and Dental Associations und steht deren Ausbildungszweig Medical Education vor. Gegen-wärtig leitet er zudem das Global Health Training Program am King College in Bristol, Tennessee, wo Ärzte im Missionsdienst geschult werden.
Im deutschsprachigen Raum bestehen Kontakte zum Missionswerk
DIGUNA e. V.), dem Deutschen Institut fur Arztliche Mission e. V. (DIFAM), der Christustrager Bruderschaft e. V. sowie der Medizinischen Missionshilfe e. V.


Im Gespräch mit Daniel E. Fountain:

MMH/MMS:
Du hast als 35 Jahre als Missionsarzt im Kongo gearbeitet. Als du zurückgekommen bist, hast du ein Institut gegründet. Es ist an das King College in Bristol /TN/US ( Peeke School of Christian Mission) angegliedert .
Du hast dieses Institut Center for Global Health genannt und nicht etwa Center for Medical Mission. Warum?


Daniel E. Fountain:
Der Heilungsauftrag, den uns Jesus gegeben hat, wird bei uns in den westlichen Ländern in der Regel sehr individualistisch gesehen. Für die meisten Menschen bezieht sich das Wort „medizinisch“, „ärztlich“ ausschließlich auf die kurative Behandlung des einzelnen Patienten. Dies entspricht unserer westlichen Vorstellung, wie wir Medizin betreiben. Der kurative Ansatz von Health Care (Gesundheit, Gesundheitsfürsorge) steht dabei ganz im Vordergrund. Wir vernachlässigen andere Einflussgrößen auf die Gesundheit eines Menschen. Der Begriff „Gesundheit“ ist aber viel umfassender und geht tiefer. Er schließt neben der kurativen Behandlung noch viele andere wichtige Dinge mit ein. Wir wissen ja mittlerweile, dass es noch eine Reihe anderer Faktoren gibt, die die Gesundheit eines Menschen beeinflussen können: wie z.B. die sozioökonomischen Verhältnisse, Armut, wie wir mit einander umgehen, also unsere Beziehungen. Das alles kann Menschen krank machen. Neuere Studien haben z.B. belegt, dass ungerechte Löhne zu Herz - Kreislaufstörungen führen können, auch das Erleben von Ungerechtigkeit überhaupt. Die Kultur spielt eine Rolle. Darüber hinaus hat auch unsere globalisierte Lebens- und Wirtschaftsweise einen ganz erheblichen Einfluss auf die Gesundheit des einzelnen Individuums und auf die einer Bevölkerung.
Bei dem Wort „Mission“ haben wir gewöhnlich die Vorstellung, dass Menschen mit überlegenem Wissen und üppigen Ressourcen ständig im Begriff sind, sich solchen Menschen zuzuwenden, denen dieses Wissen und solche Ressourcen fehlen, um ihnen das zu vermitteln und beizubringen, was ihnen aus unserer Sicht noch fehlt. Es handelt sich hier also um eine „paternalistische“ Vorgehensweise. Also mehr von oben herab, bevormundend. Der Begriff „Mission“ wird zudem in vielen Ländern, die dem christlichen Glauben gegenüber Vorbehalte haben, nicht akzeptiert. Man ist misstrauisch und vermutet dahinter `Proselytenmacherei´. Deswegen haben sie z.B. in Afghanistan Tom Little und die anderen ermordet. Deswegen vermeiden wir den Begriff `Mission´.

Wenn der Begriff Ärztliche Mission, Medizinische Mission (Medical Mission) bei euch in Deutschland noch geläufig ist und die anderen wie Global Health oder International Health nicht so sehr, dann müssen wir für mehr Klarheit sorgen. Ich schlage vor, ihr bleibt bis auf weiteres bei dem Begriff Medizinische Mission bzw. Ärztliche Mission, auch in eurem Namen (Medizinische Missionshilfe). Ihr erklärt aber, was damit wirklich gemeint ist. Medizinische Mission hat zum Ziel, Menschen anderer Kulturen Heilung im umfassenden Sinn und verbesserte Grundlagen für ihre Gesundheit zu verschaffen.

Das macht Studenten und anderen sofort klar, dass hierCommunity Health,die Ausbildung von Mitarbeitern im Gesundheitswesen, die sich in Verbindung mit anderen Kulturen entwickelnde Dynamik und interkulturelle Kommunikation gemeint sind.Es bleibt zu hoffen, dass sich in den nächsten Jahren ein passenderer Begriff findet als Medizinische Mission oder Ärztliche Mission.

MMH/MMS:
In unserer Arbeit in der Kigoma - Region beobachten wir, dass die Menschen sich nach unseren westlichen Vorstellungen orientieren. Sie möchten am liebsten ein Krankenhaus mit gut funktionierender Technik und mit hohem Standard haben. Kirchliche Gesundheitsarbeiten sind da nicht anders. Gesundheit und Krankheit werden vorwiegend in diesen Denkkategorien gesehen: Ärzte, Krankenhaus, Spritze, Medikamente, Technik.
Glaubst du, dass die Kirchen in Afrika, in Asien und in Lateinamerika jemals in der Lage sein werden, den biblischen Heilungsauftrag gemäß ihren eigenen kulturellen Vorstellungen umzusetzen?


Daniel E. Fountain:
Ja, aber das erfordert von unserer Seite weitaus mehr Arbeit, als wir in den letzten Jahren geleistet haben. Wir haben Krankenhäuser und Kliniken gebaut und sogar Ausbildungsstätten für Pflegepersonal. Wir unterrichten alles, was für das Gesundheitswesen wichtig ist, und freuen uns, wenn afrikanische Ärzte und Schwestern zu uns kommen und wir im medizinischen und pflegerischen Bereich zusammenarbeiten können. Aber wir haben versagt, das geistliche, biblische, philosophische und kulturelle Fundament zu legen, auf dem moderne medizinische und pflegerische Arbeit beruht, etwas, das für uns selbstverständlich ist. Die afrikanische Weltanschauung unterscheidet sich beträchtlich von der unseren. Und wenn wir uns dann aus der Arbeit zurückziehen, können sie das, was wir ihnen für den äußeren Ablauf eines Klinikbetriebs beigebracht haben, aufrechterhalten – aber ohne die tiefer reichende Begründung. Schnell verdrängen andere Werte die christlichen. Die Ergebnisse sind dann nicht so gut.
Deswegen ist es UNUMGÄNGLICH, dass wir, die wir aus dem Westen nach Afrika oder nach Asien und Lateinamerika kommen, die geistliche Dimension unserer Arbeit begriffen haben. Grundlage ist dabei eine biblische Theologie, die körperliche Heilung und Gesundheit mit einschließt und ebenso das Verständnis für eine kulturelle Dynamik, die sich daraus entwickelt. Genauso müssen wir bereit sein, Kultur und Weltanschauung der Menschen, denen wir dienen wollen, zu verstehen. Dann werden wir entdecken, wie wir miteinander ins Gespräch kommen können, damit die biblischen Prinzipien und Werte verstanden werden, die für Gesundheit, Heilung und für die Gestaltung des kulturellen Umfeldes nötig sind. Eine wichtige Hilfe können dabei unsere DVD – Fernlehrkurse( The Principles and Practice of Community Health und A Team Approach to Caring for the Whole Person ) sein.

MMH/MMS:
Wir hatten zu Beginn der MMH/MMS die Vorstellung, dass sich die Gesundheitsarbeit einmal finanziell ohne unser Zutun selbst tragen würde. In den ersten Jahren sah es tatsächlich auch so aus, als könnte dies gelingen. Aber das ist lange her. Wir müssen feststellen, auch langfristig wird die Arbeit ohne Spenden aus Deutschland nicht auskommen.
Werden Gesundheitsarbeiten im Rahmen von Kirchen und Mission in den sog. Entwicklungsländern nicht immer finanziell vom Westen abhängig bleiben?

Daniel E. Fountain:
Das ist eine große Gefahr, aber auch eine Notwendigkeit. Ressourcen und Menschen aus Europa und Nordamerika werden noch für eine lange Zeit nötig sein, bis die Kulturen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas transformiert worden sind. Ein Schlüsselwert, der überall fehlt, ist VERTRAUEN und zugleich auch Integrität, Wahrhaftigkeit, Verantwortungsbewusstsein und viele andere biblische Werte. Die Menschen des Kongo zum Beispiel werden NIE in der Lage sein, ein Gesundheitsprogramm dauerhaft durchzuziehen, solange die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Strukturen so schwach sind und weiterhin auf dem Animismus basieren. So besteht unsere Aufgabe nicht nur darin, Medizin und Gesundheitspflege zu praktizieren und zu lehren, sondern es muss immer auch darum gehen, kulturelle Transformation zu bewirken, die sich nicht auf Europa oder Amerika, sondern auf die Bibel bezieht.

MMH/MMS:
Es gibt eine Tendenz bei uns zu Kurzzeiteinsätzen. Man erklärt sich gerne bereit, für einen Urlaub, vielleicht auch für 2-3 Jahre einmal im Rahmen der Mission als Arzt/Ärztin oder als Krankenschwester/Pfleger zu arbeiten. Aber für einen lebenslangen Dienst in Afrika oder sonstwo im Rahmen von Mission und Kirchen zu arbeiten, da zu fehlt vielen der Mut und die Perspektive. Ist es auch heute überhaupt noch lohnenswert, sich auf einen lebenslangen Dienst vorzubereiten?


Daniel E. Fountain:
Unbedingt! Die Begründung dafür kann man aus dem vorher Gesagten entnehmen.

MMH/MMS:
Was kannst du jungen Studenten und Ärztinnen und Ärzten oder auch Angehörigen anderer Berufe empfehlen, die sich auf einen solchen Auftrag vorbereiten wollen?


Daniel E. Fountain:
1. Gründliches Bibelstudium! Ich habe nie eine Bibelschule oder ein theologisches Seminar besucht. Die meisten dieser Ausbildungsstätten sind sehr einseitig ausgerichtet und oberflächlich, zumindest was die Themen angeht, die für unsere Arbeit wichtig sind. Ich habe die Bibel mit dem Heiligen Geist als meinem Lehrer studiert. Zudem habe ich viele hilfreiche Bücher von Autoren gelesen, die das Wort Gottes verstehen.

2. Studiere Philosophie! Entwickle kritisches Denken, das dazu führt, Fragen zu stellen, Situationen zu analysieren und ein tieferes Verstehen der Wirklichkeit zu entdecken.

3. Befasse dich mit der den Kulturen eigenen Dynamik! Und dann verschaffe dir praktische Erfahrung, indem du mit Menschen anderer Kulturen zusammenarbeitest. Deswegen muss niemand erst nach Afrika gehen. Deutschland ist VOLL mit Menschen anderer Kulturen aus islamischen Ländern, Osteuropa usw. Sei den Studenten behilflich, mit solchen Leuten dort unmittelbar in Beziehung zu treten.

4. Lerne, wie man andere lehrt! Wenn wir Menschen aus anderen Kulturen etwas vermitteln wollen, ist es am effektivsten, Dialoge und Diskussionenn zu Führen, Fragen zu stellen, die andere zum Nachdenken bringen, damit sie so die für sie wichtigen Wahrheiten selbst entdecken.

Dan, wir danken dir für das Gespräch.


Das Gespräch mit Daniel E. Fountain führte Dr.Gerd Propach für die MMH/MMS im März 2011, Übersetzung: Karl Lagershausen












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