Ärztliche Mission - Nur Mittel zum Zweck?


Es ist auffallend, dass im deutschen Sprachraum und dort gerade bei evangelikal geprägten Organisationen die Begriffe ärztliche Mission und auch Missionsdiakonie nach wie vor verwendet werden.
Dies mag vielleicht auch daran liegen, dass der von Christoffer Grundmann als notwendig angesehene Prozess einer theologischen Aufarbeitung bzw. Würdigung der ärztlichen Mission durch die evangelikale Theologie und Missiologie bisher wenig berücksichtigt wurde. Das Thema „Heil und Heilung“ und „ärztliche Mission“ hat in der Vergangenheit in der missiologischen Literatur wenig Beachtung gefunden.
Man hat den Eindruck, missionsärztliche Arbeit spiele eine eher untergeordnete Rolle, und wenn, dann im Sinne einer Missionsstrategie, als eines Mittels zum Zweck („Durch die medizinische Arbeit bekommt man leichter Zugang zu den Menschen“, „Krankenhausarbeit als Türöffner für das Evangelium“). Die medizinische Arbeit kümmere sich ja nur um den vergänglichen Leib, während es in der Missionsarbeit doch vornehmlich um die Bekehrung des „inneren“ Menschen gehe. Eine solche Sicht kann mit der Dichotomie des Menschenbildes zusammenhängen, die offensichtlich noch nicht überwunden wurde. Evangelisation sei schließlich wichtiger als Entwicklungshilfe und als soziale Arbeit überhaupt, womit deutlich ausgedrückt ist, in welche Rubrik man die ärztliche Arbeit einordnet. (Siehe auch hierzu Christoffer Grundmann, Porta Studie 20, Marburg 2002, Seite 47).


Eine hilfreiche theologische Aufarbeitung des Themas sucht man im Rahmen einer evangelikal geprägten Missiologie vergebens. Dies ist auch deshalb verwunderlich, weil die Wurzeln der ärztlichen Mission der Neuzeit im Pietismus des 18.Jahrhunderts zu finden sind. Auf den Bezug zur geschichtlichen Größe des Pietismus legt man aber gerade in der evangelikalen Bewegung großen Wert, zumindest in Deutschland. Die medizinische Wissenschaft und der Arztberuf spielten im Pietismus eine bedeutende Rolle, so dass Christa Habrich den Begriff „Pietistische Medizin“ prägte. Viele der führenden Gestalten des Pietismus im 18.Jahrhundert waren Ärzte oder betätigten sich als Pfarrer oder als Theologen heilkundlich.

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„Die Geburt einer sanften Medizin - Die Franckeschen Stiftungen zu Halle als Begegnungsstätte von Medizin und Pietismus im frühen 18.Jahrhundert“
Hrsg. Von Richard Toellner im Auftrag der Franckeschen Stiftungen zu Halle, Halle 2004.


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