Tübinger Konsultationen

Die Bedeutung der Tübinger Konsultationen

Die Entwicklung dieses sog. PHC- Konzeptes (PHC= Primary Health Care) ist eng verbunden mit der Entstehung und Entwicklung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und seines damaligen Direktors Halfdan Mahler, geht aber auch besonders auf die Gedanken und Überlegungen der Christlichen Medizinischen Kommission (CMC = Christian Medical Commission) beim Weltrat der Kirchen in Genf zurück.


Paul-Lechler-Krhs, Tübingen

Auf zwei internationalen Konferenzen im Deutschen Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM) in Tübingen wurde über die Fragen nachgedacht und diskutiert, worin das Wesen des christlichen Heilungsverständnisses besteht. Was sagt die Bibel über Heilung und Heil? Gibt es Unterschiede zum säkularen Verständnis von Heilung? Wie hat Jesus den Auftrag zu heilen gesehen? Die Ergebnisse der Konferenzen 1964 (Tübingen I) und 1967 (Tübingen II) wurden weit über den kirchlichen Rahmen hinaus bekannt. "Die Delegierten entwarfen eine Konzeption kirchlicher Gesundheitsdienste, die auf den Prinzipien des christlichen Heilungsverständnisses beruht", schreibt Fleßa (2002). Er faßt die Ergebnisse der Konferenzen zusammen:

- Christliche Gesundheitsarbeit ist ganzheitlich. Eine nur physische Heilung widerspricht dem biblischen Menschenbild.
- Christliche Gesundheitsarbeit sollte möglichst viele Gemeindeglieder involvieren, nicht nur Ärzte und Pfleger.
- Christliche Gesundheitsarbeit sollte präventiv ausgerichtet sein.
- Christliche Gesundheitsarbeit kann nicht losgelöst von anderen Entwicklungsplanungen gesehen werden, d.h.," medizinische Arbeit,Ernährung, Landwirtschaft und Gemeindeentwicklung [sollten] aufeinander bezogen werden".

Die Ergebnisse der Konferenzen waren revolutionär, da sie eine Abkehr von der primären Ausrichtung der Gesundheitsdienste am Krankenhaus implizieren. Der Arzt als Mittelpunkt des heilenden Dienstes wird nach christlichem Verständnis abgelöst von Patienten, Gemeindegliedern, Pastoren, Beratern, Landwirte usw.. Heilung im christlichen Kontext ist demnach nur partizipativ möglich.
Diese Gedanken beeindruckten auch die führenden Mitarbeiter der WHO, die nach Lösungswegen für die gesundheitlichen Probleme in den Entwicklungsländern suchten. CONTACT, die Zeitschrift der Christlichen Medizinischen Kommission (CMC), wurde in diesen Jahren zur Pflichtlektüre der WHO, bemerkt Fleßa. Die Zeitschrift erschien erstmals 1970 und war als Forum zum Austausch von Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Formen der Gesundheitsarbeit im Raum von Kirche, Ökumene und Mission gedacht.
Für Fleßa ist die Konzeption der Primary Health Care, wie sie in Alma Ata vorgestellt wurde, eine säkulare Weiterentwicklung der Tübinger Erklärungen. Dies zeigt die Bedeutung und die Auswirkungen der Tübinger Ergebnisse.

Die Ergebnisse der beiden Konferenzen sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass auch heutzutage Christen die Welt beeinflussen und verändern können, wenn sie konsequent nach dem Willen Gottes fragen und entsprechend handeln. Gott stellt sich dazu.



Fotonachweis: Luftaufnahme Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus (Grohe),
Deutsches Institut für Ärztliche Mission - Eingang (DIFÄM)


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Dt. Institut f. Ärztl. Mission, Tübingen

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